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Geschichte der Stadt Dortmund
Dortmund, im Jahre 1596 von Norden aus gesehen:
14 Jahrhunderte Dortmunder Geschichte
Mit dieser Veröffentlichung möchte das Informations- und Presseamt in Zusammenarbeit mit
dem Stadtarchiv dazu beitragen, Fakten der Dortmunder Stadtgeschichte bekanntzumachen.
Beginnend mit den ältesten historischen Überlieferungen aus dem Raum Dortmund, die zum
Teil noch legendären Charakter haben, werden beispielhafte Episoden zur Dortmunder
Stadtgeschichte veröffentlicht. Je weiter wir uns der Gegenwart nähern, je dichter die Zahl der
Aussagen.
7. Jahrhundert
Die heiligen Ewalde waren nach der Legende zwei Mönche, die um 700 aus dem christlichen
England kamen, um die heidnischen Sachsen zu bekehren. Nach ihrer Haarfarbe nannte man
sie den schwarzen und den weißen Ewald. In Aplerbeck begannen sie ihr Bekehrungswerk.
Doch die Männer des Dorfes hielten an ihren alten Gottheiten fest und überfielen eines Tages
die Missionare. Der weiße Ewald erlitt sofort den Tod, während sich der schwarze Ewald auf
einen benachbarten Hof retten konnte, wo ihn aber die nacheilenden Mörder ergriffen. Bis zu
seinem Abbruch nannten die Leute deshalb den Hof "Mordmannshof".
444 römische Münzen (Dortmunder Goldschatz) hat ein unbekannter Händler um 550 in der
Nähe des Westentores vergraben. Sie sind im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
ausgestellt.
8. Jahrhundert
Im Jahre 775 wurde auf einer hervorragenden Höhe des Haarstrangs die sächsische Sigiburg
(heute Hohensyburg) von Karl dem Großen und seinen Franken erobert. Ein Jahr später
versuchten die heidnischen Sachsen, bei Nacht die Sigiburg zurückzugewinnen. Da erschien,
wie die Legende erzählt, über der Kirche auf der Höhe ein flammendes Lichtzeichen in Form
eines Schildes. Erschreckt wandten sich die ersten Angreifer zurück und rannten geradewegs
in die Spieße der hinter ihnen anrückenden Mitstreiter, so daß sie sich gegenseitig umbrachten.
9. Jahrhundert
Dortmund wird erstmalig zwischen 880 und 890 urkundlich erwähnt. In einer Aufstellung über
gezahlten Zins an das Stift Werden (an der Ruhr) ist von einem Manne namens Arnold die
Rede, der in "Throtmani" wohnt. In einer Urkunde aus dem Jahre 899 erscheint Dortmund
dann unter dem Namen " Trutmunia". Von nun an tritt der Name in den verschiedensten
Schreibweisen auf: Trutmenni, Throtmani und Dorpmunde. Daneben findet sich die lateinische
Form Tremonia. Seit 1320 schrieben die Dortmunder mit Vorliebe Dorpmunde, woraus im
westfälischen Platt "Düopm" wurde. Was der Name bedeutet, weiß mann nicht sicher.
10. Jahrhundert
Otto der Große war der erste deutsche Kaiser, dessen Aufenthalt in Dortmund überliefert ist.
Als sich nämlich sein jüngerer Bruder Heinrich gegen ihn in einem Aufstand erhob, versagte
auch der Dortmunder Burggraf Agina dem Kaiser die Treue und gesellte sich dem Aufrührer zu.
Da erschien 939 Otto mit seinem Heer vor Dortmund.
Die Burgmannen, treuer als ihr Graf, weigerten sich jedoch, gegen ihren König zu kämpfen und
öffneten ihm die Burg. Nun mußte sich auch der treulose Diener Agina seinem Herrn ergeben.
Der großmütige Herrscher begnadigte ihn jedoch.
11. Jahrhundert
Der heilige Reinold, Schutzpatron der Stadt Dortmund, war nach der Legende ein Neffe Karls
des Großen. Er überwarf sich jedoch mit dem Kaiser, und dieser eroberte nach langer
Belagerung eine Burg Montelban. Reinolds Wunderroß Bayard wurde ertränkt. Da schwur
Reinold, kein Pferd mehr zu besteigen, legte Schwert und Rüstung ab und wurde ein schlichter
Pilger. Er hörte von dem Dombau zu Köln, wanderte dorthin und arbeitete als einfacher
Steinträger.
Da er alle anderen Arbeiter an Eifer und Fleiß übertraf und doch nur einen Pfennig Lohn
annahm, erschlugen ihn diese heimlich bei Nacht und warfen den Leichnam in den Rhein. Da
läuteten alle Glocken der Stadt Köln von selbst und die Fluten trugen den Leichnam des
Erschlagenen an das Ufer. Auf seinem Gürtel entdeckte man den Namen Reinold von
Montelban. Da an seinem Grabe viele Wunder und Heilungen geschahen, baten die
Dortmunder 200 Jahre später den Kölner Erzbischof um eine Reliquie Reinolds, zu dessen
Ehren sie eine Kirche bauen wollten. Doch der Erzbischof wollte die Gebeine Reinolds in Köln
behalten und legte den Sarg auf einen Wagen, um ihn in seine Kirche zu bringen. Da setzte
sich der Wagen von allein in Bewegung, fuhr bis nach Dortmund und hielt erst an der Stelle an,
an der heute die Reinoldikirche steht.
So sah Dortmund im Jahre 1200 aus. Der Verlauf der Stadtmauer entspricht dem heutigen
Wallring.
12. Jahrhundert
Einer der größten Gönner Dortmunds war Kaiser Friedrich Barbarossa. Gleich nach seiner
Thronbesteigung berief er im Jahre 1152 eine große Reichsversammlung nach Dortmund. Kurz
zuvor war die Stadt einem großen Brande zum Opfer gefallen.
Dazu heißt es in der Chronik: "Nachdem der Brand geschehn war, kam Kaiser Friedrich in diese
Stadt und erbaute sie wieder und legte seinen Hof' zwei Jahre lang hierher, damit viele fremde
Leute hierher kommen sollten ". 1154 traf' sich dann auch Heinrich der Löwe, der später der
große Gegenspieler des Kaisers werden sollte, mit Friedrich Barbarossa in Dortmund.
13. Jahrhundert
Im 13. Jahrhundert war Dortmund eine der reichsten und wichtigsten Städte im mächtigen
Hansebund. Besonders groß war der Einfluß der Dortmunder Kaufmannsgeschlechter in
England. Diese schlossen im Jahre 1282 einen Vertrag mit dem Bürgermeister und Rat von
London, in dem sie sieh verpflichteten, auf ihre Kosten ein Stadttor, das sogenannte
Bischofstor, zu bauen, instand zu halten und zu bewachen. Hierfür leisteten sie einen
Vorschuß von 240 Pfund.
Das alte Dortmunder Rathaus nach der Restaurierung im Jahre 1899.
14. Jahrhundert
Dortmund war im Mittelalter wegen seiner starken Befestigungen berühmt. Deshalb glaubte
der Graf von der Mark, der die reiche Stadt gern seinem Herrschaftsgebiet einverleibt hätte,
sich bei der Eroberung einer List bedienen zu müssen. Es gelang ihm, eine Dortmunder Witwe
namens Agnes von der Vierbecke für seinen Plan zu gewinnen.
Diese ließ auf sein Geheiß hin an einem Sonntagmorgen des Jahres 1378 in aller Frühe zwei
ihrer Wagen durch das Wißstraßentor in die Stadt kommen, den einen mit Heu und den
anderen mit Holz beladen. Unter dem Heu jedoch hielten sich einige Bewaffnete des Grafen
versteckt. Der Bruder des Grafen hielt sich mit seinen Mannen im Gebüsch vor den Stadttoren
verborgen. Agnes bat den Torwächter, ihre Wagen einzulassen und schickte ihn dann unter
dem Vorwand fort, für sie einen Pfefferpotthast zu holen. Den mit Holz beladenen Wagen ließ
sie nun unter dem großen Fallgitter anhalten, damit dieses nicht heruntergelassen werden
konnte.
In der irrigen Annahme, auch das innere Tor sei bereits geöffnet, stieg sie auf den Turm und
gab das vereinbarte Zeichen. Sofort stürmten die Bewaffneten aus ihren Verstecken, .fanden
die innere Pforte aber noch verschlossen. Durch den Lärm aufgeschreckt eilten die Bürger
herbei und entdeckten die Verräterin auf dem Turm. Diese wurde mit ihrem Sohn Arnold sofort
hingerichtet. Diese Geschichte ist auch insofern denkwürdig, als in ihr erstmals das
Dortmunder "Nationalgericht", nämlich der Pfefferpotthast, erwähnt wird.
15. Jahrhundert
Durch die große Dortmunder Fehde (1388-1390), in der sich die Stadt erfolgreich gegen eine
Übermacht von 45 Fürsten und 1200 Rittern behauptet hatte, war Dortmund tief in Schulden
geraten. Als diese Schulden im Jahre 1400 noch immer nicht abgetragen waren, verloren die
durch immer höhere Steuern belasteten Bürger die Geduld und sperrten den Rat in die
Stadttürme.
Dabei wurden immer zwei Ratsherren, "die nicht besonders miteinander befreundet waren", in
den gleichen Turm eingeschlossen. Gegen hohes Lösegeld und die Zusicherung, daß künftig
auch den Handwerkern Sitz und Stimme im Rat der Stadt eingeräumt werde, ließ man sie
schließlich wieder frei. Die Alleinherrschaft der Patrizier war durch diese "Große Revolution"
gebrochen.
Seit 1447 wird in Dortmund Gerstenbier gebraut.
16. Jahrhundert
Die Religionsstreitigkeiten des 16. Jahrhunderts brachten auch nach Dortmund viel Unruhe.
Auch hier hatten die Wiedertäufer, die in Münster einige Jahre lang ein Schreckensregiment
geführt hatten, ihre Anhänger. Zwei von ihnen wurden 1538 vom Stadtgericht zum Tode durch
das Schwert verurteilt. Einer von ihnen aber bat um Gnade und versprach, von der falschen
Lehre abzulassen. Er mußte jedoch zur Strafe im Büßergewand, eine Birkenrute und ein
brennendes Wachslicht in den Händen, die Prozession um St. Reinoldi mitmachen.
Danach wurde er freigelassen. Der andere, der bei seiner Meinung verharrte, wurde vor dem
Westentor enthauptet. Die Münsteraner hingegen hingen die Anführer der Wiedertäufer
kurzerhand in großen eisernen Körben am Turm der Lamberti-Kirche auf. Diese Körbe hatte der
Dortmunder Meister Bertold von Lüdinghausen geschmiedet.
17. Jahrhundert
Der 30jährige Krieg brachte auch Dortmund in große Bedrängnis. Im Jahre 1632 belagerte der
berüchtigte General Pappenheim mit seinem Heer die Stadt. Die Feinde legten Laufgräben
gegen die Stadtmauer an und versuchten, die Zugbrücke am Neutor durch Sprengen der Kette
zum Niederfallen zubringen. Die Bürger setzten sich zur Wehr, indem sie einen großen Stein
von der Mauer hinabwarfen, durch den der Oberstwachtmeister Pappenheims erschlagen
wurde. Daraufhin ließ Pappenheim schwere Geschütze auffahren und bombardierte die Stadt
mit neun feurigen Kugeln. Obwohl diese keinen großen Schaden anrichteten, bekamen die
Bürger Angst, öffneten die Tore und ergaben sich auf Gnade und Ungnade. Pappenheim ließ
drei Regimenter in der Stadt zurück, die dort 25 Wochen lang schrecklich hausten und die
"Bürgerey betrübeten". Außerdem mußten die Bürger eine hohe Kriegssteuer zahlen.
Das Tor des Schlosses der Familie Romberg aus dem Jahre 1682 ist heute Ort für viele
kulturelle Veranstaltungen.
18. Jahrhundert
Als freie Reichsstadt mußte die Stadt Dortmund nach jeder Königswahl dem neuen Herrscher
ihre Huldigung leisten und um Bestätigung ihrer Rechte und Freiheiten nachsuchen. Die letzte
Kaiserhuldigung hat 1742 bei der Wahl Karls VII. stattgefunden. Der Kaiser schickte als seinen
Abgesandten den Freiherrn von Asseburg nach Dortmund, um den Huldigungseid der Stadt
entgegenzunehmen. Diese Zeremonie vollzog sich mit allem pomphaften Glanz, den die
Reichsstadt zu entfalten vermochte. Die Bürgermeister und Ratsherren empfingen den
Gesandten an der Grenze des reichsstädtischen Gebietes. Von dort bewegte sich der feierliche
Zug, der aus einer Bürgerkompanie zu Pferde, zahlreichen Kutschen und einer Gruppe von
zwölf Bürgern mit glänzenden Hellbarden bestand, über die Brückstraße zum
Katharinenkloster. Die ganze Bürgerschaft stand Spalier, Trommeln wurden geschlagen und
Kanonen abgefeuert.
Am nächsten Morgen leisteten Rat und Stände dem Stellvertreter des Kaisers den
Huldigungseid im Rathaussaal. Zahlreiche adelige Herrschaften waren zugegen. Eine
unbeschreibliche Menge Zuschauer bevölkerte den Marktplatz. Viele beobachteten das
Geschehen von den Dächern der benachbarten Bürgerhäuser. Die Feierlichkeiten wurden mit
einem großen Festbankett und einem glänzenden Festball beschlossen.
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